Dein nächster Schritt
Brief 38
Welcher ist eigentlich dein nächster Schritt?
Nicht der erste.
Nur der nächste.
Ich glaube nämlich, ich hab immer den ersten Schritt gewaltig überschätzt!
Gerade eben hab ich mich dabei erwischt, wie ich auf mein zweites Buch geschaut habe. Es ist inzwischen so gut wie fertig. Voll abgefahren eigentlich!!
Und da musste ich plötzlich an dich denken… und daran, wie ich dir am anschaulichsten klarmachen kann, wie man so ein Projekt angeht, das vor einem steht wie ein schlecht gelaunter Elefant. Deshalb hab ich kurz mal nicht nach vorne geschaut, sondern zurück.
Ich hab versucht, den Weg zu sehen. Nicht die Seiten. Nicht die Bilder. Nicht die ganze Arbeit.
Meinen Weg. Für dich. Wie hab ich es geschafft, mich vom Gefühl dieses Klopperprojekts nicht abhalten zu lassen? Also komm… wir tricksen unser Gehirn gemeinsam mal wieder ein kleines bisschen aus. Denn jedes Gefühl kann man ja durch herumgewurschtelte Gedankenänderungen ganz prima für sich selber nutzen!
Also. Der Weg. Der fing… ehrlich gesagt… vor einer gefühlten halben Ewigkeit an. Die Idee zu diesem Buch hatte ich mit Mitte zwanzig. Also ungefähr zu der Zeit, als Dinosaurier noch über die Erde liefen. Zumindest fühlt es sich inzwischen so an. Damals fand ich die Idee wunderschön.
Und gleichzeitig völlig größenwahnsinnig.
Ein Buch? Mit Illustrationen? Mit eigenen gemalten Gedanken? Und dann noch lustig? Und hochphilosophisch? Wie sollte ich das denn bitte machen? Aus diesen ängstlichen Gedanken heraus passierte… natürlich lange nichts. Fast zwanzig Jahre lang. Heute denke ich darüber ganz anders. Denn eigentlich hab ich den ersten Schritt damals längst gemacht. Die Idee war der erste Schritt. Was fehlte, war etwas ganz anderes:
Der nächste.
Irgendwann schrieb ich mein erstes Buch.
Nicht dieses.
Ein anderes.
Fast so, als würde ich heimlich ausprobieren wollen, ob ich überhaupt Bücher schreiben kann. Danach kam der nächste Schritt. Dann noch einer. Vor ein paar Jahren erzählte ich beim Kaffeetrinken mit des Trommlers Tochter laut, dass ich dieses zweite Buch unbedingt machen möchte. Und in dem Moment passierte etwas Merkwürdiges. Es war plötzlich nicht mehr nur ein Gedanke. Es war ausgesprochen. Von da an ging es eigentlich nie mehr um das ganze Buch. Es ging immer nur um den nächsten Schritt.
Eine Seite.
Eine Zeichnung.
Eine Idee.
Ein Satz.
Ein Bild.
Ein neuer Versuch.
Manchmal flutschte es. Manchmal überhaupt nicht. Aber der nächste Schritt war fast immer erstaunlich klein. Unser Gehirn mag das übrigens. Ich weiß, ich hab dich schon oft mit diesem magischen „ersten“ Schritt vollgeplappert. Aber ich hab jetzt begriffen, der ist wahrlich nicht der wichtigste.
In der Psychologie weiß man schon lange, dass große, unüberschaubare Ziele unser Stresssystem aktivieren können. Kleine, erreichbare Schritte dagegen geben dem Gehirn das Gefühl: Das schaff ich. Mit jedem erledigten Schritt wird Dopamin ausgeschüttet, dieser kleine Botenstoff, der Motivation und Lernbereitschaft unterstützt. Von dem hab ich dir schon so oft erzählt. Der ist echt prima!!! Denn nicht das riesige Ziel hält uns in Bewegung, sondern das Gefühl, wieder ein kleines Stück weitergekommen zu sein.
Manchmal schreckt uns deshalb gar nicht das Projekt ab. Sondern unsere Vorstellung davon. Wir sehen den ganzen Berg. Obwohl wir heute nur einen einzigen Schritt gehen müssten.
Vielleicht gibt es da bei dir auch etwas. Etwas, das schon seit Jahren irgendwo in dir schlummert. Ein Traum. Ein Projekt. Eine Idee. Etwas, bei dem dein Gehirn sofort sagt:
„Viel zu groß.“
Dann hab ich heute eine kleine Bitte an dich. Vergiss den ersten Schritt. Den hast du vielleicht längst gemacht. Die Idee ist da. Das war ja der erste Schritt. Plups. Toll. Den hast du schon gemacht! Frag dich also stattdessen einfach:
Was ist der nächste?
Nicht der übernächste. Nicht der in drei Monaten. Nur der nächste. Denn rückblickend besteht selbst ein riesengroßes Projekt aus nichts anderem als unglaublich vielen kleinen nächsten Schritten. Und irgendwann sitzt man da, schaut auf fast zwanzig Jahre zurück und denkt:
„Ach so… so macht man also ein buntes Buch.“
Ich wünsch dir heute einen freundlichen Blick auf dein großes Projekt. Ich weiß, da ist eins in dir!!! Gönne dir vor allem die Antwort auf eine einzige Frage:
Welcher ist eigentlich mein nächster Schritt?
Bis zum nächsten Mal.
Ich drück dich,
Deine Jeanine
Grosse Projekte erkennt man erst am Ende?
Hier klicken…
Denn währenddessen bestehen sie nur:
_______________
Aus dem nächsten Schritt!!
Du hast Lust darauf, mir auf diesen Brief zu antworten?
Prima!!
Hier kannst du mir deine Gedanken gerne senden…
Ich antworte, so schnell ich kann 🙂
