Der Flups

Brief 36

Was sind die Bedürfnisse im Augenblick?

Nicht morgen.
Nicht nächste Woche.
Nicht nach dem nächsten Urlaub.

Jetzt.

Genau in diesem Moment.

Ich finde, das ist eine verblüffend schwierige Frage.

Denn oft wissen wir erstaunlich genau, was die anderen brauchen könnten. Oder was sie tun sollten. Oder warum sie gerade komisch sind. Aber bei uns selbst? Da wird’s manchmal etwas schwammig. Der Trommler und ich erleben das übrigens auch. Das muss ich gleich mal vorweg sagen, weil wir oft gefragt werden, wie wir das eigentlich machen.

Wir leben zusammen.
Wir arbeiten zusammen.
Wir fahren zusammen in den Urlaub.
Wir sitzen zusammen in Klopsi auf engstem Raum. Jeden Tag!

Kurz gesagt: Wir verbringen so viel Zeit miteinander, dass andere Menschen vermutlich bereits nach drei Tagen versucht hätten, sich gegenseitig in einem Straßengraben auszusetzen. Und trotzdem verstehen wir uns meistens ziemlich gut. Das Geheimnis ist allerdings nicht, dass wir immer einer Meinung sind. Das Geheimnis ist Kommunikation. Und manchmal müssen wir die auch wieder neu justieren. Denn letztens war der Flups drin.

Kennst du das?

Es ist eigentlich gar nichts passiert.

Und gleichzeitig irgendwie alles. Zu viele Autos. Zu viel Regen. Zu viele Umleitungen. Zu wenig Lust. Zu wenig Platz. Zu wenig Geduld. Und irgendwann sitzt da plötzlich so ein kleiner unsichtbarer Flups zwischen zwei Menschen.

Niemand hat etwas Schlimmes gesagt.

Niemand hat etwas Schlimmes gemacht.

Aber irgendwie wird alles leicht knirschig. Der eine sagt etwas. Der andere hört etwas anderes. Dann reagiert der eine auf etwas, das der andere gar nicht gemeint hat. Und plötzlich schaut man sich an und denkt:

„Was hat er denn jetzt?“

Oder:

„Was zickt die hier so rum?“

Das Spannende ist: Wenn wir uns später hinsetzen und diese Momente auseinandernehmen, finden wir fast nie ein echtes Problem. Fast immer finden wir Bedürfnisse. Der eine wollte gerade Ruhe. Der andere Austausch. Der eine brauchte eine Pause. Der andere Unterstützung. Der eine wollte nachdenken. Der andere eine Entscheidung treffen. Nichts davon ist falsch. Es wurde nur nicht ausgesprochen. Und genau da beginnt der Flups seine Arbeit. Er liebt unausgesprochene Bedürfnisse. Davon ernährt er sich vermutlich.

Denn wenn niemand sagt, was er gerade braucht, beginnen beide Seiten zu interpretieren. Und Interpretationen sind bekanntlich die Cousins der Missverständnisse. Deshalb machen der Trommler und ich inzwischen etwas ziemlich Unspektakuläres.

Wir setzen uns hin. Und dann sagt einer einfach: „Ich brauch gerade kurz Ruhe.“ Oder: „Ich brauch gerade Hilfe.“ Oder: „Ich brauch gerade einfach nur einen Tee und zehn Minuten Rumpalumpeln.“

Fertig.

Keine Oper. Kein Drama. Kein Beziehungsgipfel. Nur eine Information. Und erstaunlich oft verschwindet der Flups sofort wieder. Vielleicht ist das überhaupt eine der schönsten Formen von Kommunikation: Nicht zu sagen, was der andere falsch macht. Sondern zu sagen, was man selbst gerade braucht.

Klar.

Kurz.

Freundlich.

Denn die meisten Menschen wollen uns gar nicht ärgern. Sie wissen oft nur nicht, was gerade in uns los ist. Deshalb schick ich dir heute diese kleine Frage mit in deinen Tag:

Was brauchst du gerade?

Und noch spannender: Wer könnte es heute gebrauchen, wenn du ihm die Antwort darauf einfach kurz verrätst?

Ich wünsch dir einen völlig flupsfreien Tag!!

Bis zum nächsten Mal.

Ich drück dich,

Deine Jeanine

Da ist der Flups drin?!?!?

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Hinsetzen, denken, kommunizieren!

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Und zwar total emotionslos. Dafür aber sofort! Teile deine Bedürfnisse mit, denn dein Gegenüber ist kein Hellseher!

Du hast Lust darauf, mir auf diesen Brief zu antworten?

Prima!!

Hier kannst du mir deine Gedanken gerne senden…

Ich antworte, so schnell ich kann 🙂