Freude macht fluffig

Brief 45

Hast du schon mal versucht, einer langweiligen Tätigkeit ein bisschen Spaß unterzujubeln?

Ich meine, es gibt ja Tage, da guckst du morgens aus dem Fenster und denkst: „Hach, das wird ein schöner Tag!“ Und dann gibt es Tage, da weißt du schon beim Aufstehen, dass da ein paar Sachen auf dich warten, auf die du ungefähr so viel Lust hast wie auf einen Zahnarztbesuch, wenn du schon ahnst, dass es da hinten links so komisch piekst.

Manche Dinge müssen eben trotzdem gemacht werden. Und unser innerer Kartoffelklaus ist ein ganz besonders kniffeliges Kerlchen, wenn es darum geht, solche Tätigkeiten zu vermeiden. Der findet tausend Gründe, warum ausgerechnet heute ein ganz schlechter Tag dafür ist. Vielleicht ist der Mond ungünstig. Vielleicht muss man erst noch einen Tee trinken. Vielleicht wäre es besser, vorher die gesamte Schublade mit den alten Kabeln zu sortieren. Man weiß ja nie!

Ich versuche inzwischen, bei solchen Tätigkeiten eine andere Frage zu stellen:

Wie würde das, was ich „jetzt wirklich mal machen muss“ aussehen, wenn es Spaß machen würde?

Nicht: Wie kann ich mich dazu zwingen? Nicht: Wie kriege ich das möglichst schnell hinter mich? Sondern: Wie könnte ich die Sache so gestalten, dass ich sogar ein bisle Freude daran habe?

Das habe ich neulich bei der Vorbereitung unserer Olivenernte ausprobiert. Ich hatte mir einen Baum vorgenommen, bei dem rundherum das Unkraut weg musste. Eine Tätigkeit, bei der mein Kartoffelklaus sofort die Patschehändchen über dem Kopf zusammengeschlagen hat. Vor allem weil wir so um die 100 Bäume haben.

„100 Bäume??? Jeaninechen! Wir könnten stattdessen auch einfach in die Sonne gucken! Oder ein Eis essen! Oder uns hinlegen und über das Leben nachdenken!“

Ja, könnten wir. Aber dann wächst dieses verrückte Pieksekraut hier fröhlich weiter und lacht uns irgendwann aus.

Also hab ich überlegt, was es angenehmer machen würde.

Musik.

Ist ja eigentlich klar.

Aber auf die Idee war ich in den letzten fünf Jahren, die wir hier auf der Finca wohnen, noch nicht gekommen. Ich hab mir Musik auf die Ohren gepackt und losgelegt. Und siehe da: Plötzlich war es gar nicht mehr so schlimm. Ich konnte mitsingen, mitwippen und mich von einem Lied zum nächsten hangeln. Aus einer öden Arbeit wurde eine kleine Gartendisco. Zugegeben, vermutlich ohne besonders beeindruckende Choreografie. Aber das Unkraut hatte wenigstens Unterhaltung. Der Trommler hat später gemeint: „Ach so… ich hatte mich schon gewundert, warum du so quietscht.“ Naja.

Sonst ist hier ja keiner – deshalb war es Wurscht. Aber aus dem einen Baum wurden ganz schnell fünfzehn. Zack. Einfach so. Bei manchen von denen hingen gar keine Oliven dran – die hätte ich gar nicht machen müssen… aber zack. Wenn Don Henley von den Eagles einem fröhlich von seinem Hotel in Kalifornien vorträllert, dann sind fünfzehn Bäume ratzifatzi unkrautfrei.

Und da dachte ich mal wieder: Mensch, warum mach ich das eigentlich nicht öfter?

Ich glaube, wir machen uns das Leben manchmal unnötig schwer, weil wir darauf warten, dass wir Lust bekommen. Wir warten auf den richtigen Moment, die richtige Stimmung, die richtige Energie. Und während wir warten, wächst das Unkraut. Oder der Papierstapel. Oder der Berg mit der Wäsche.

Dabei könnten wir auch einfach anfangen und unterwegs versuchen, es uns ein bisschen netter zu machen.

Der Philosoph John Dewey hat einmal sinngemäß gesagt, dass wir nicht aus Erfahrung allein lernen, sondern dadurch, dass wir über unsere Erfahrungen nachdenken. Und vielleicht können wir genau das auch mit unseren alltäglichen Tätigkeiten machen: Wir müssen nicht jede Sache einfach so hinnehmen, wie sie sich uns präsentiert. Wir dürfen ausprobieren, ob sie sich anders anfühlen kann.

Wir können nicht immer bestimmen, WAS wir tun müssen. Aber wir können oft beeinflussen, WIE wir es tun.

Vielleicht ist heute ja auch bei dir so ein Tag, an dem ein paar Sachen auf der Liste stehen, die dich nicht gerade vor Begeisterung sprühen lassen. Dann such dir eine davon aus und stell dir die Frage:

„Wie könnte das ein bisle mehr Spaß machen?“

Vielleicht mit Musik. Vielleicht mit einem Hörbuch. Vielleicht mit einem Wettlauf gegen die Eieruhr. Vielleicht zusammen mit einem lieben Menschlein, bei dem selbst das Sortieren von Socken zu einer Veranstaltung mit hohem Unterhaltungswert wird.

Kleiner Seitentip an dieser Stelle: Ich trage seit JAHREN keine passenden Socken mehr. Was als Überzeugung anfing: „So viel wird von „oben“ vor diktiert… ich kann wenigsten die Entscheidung von zwei unpassenden Socken an meinen Füßen alleine treffen!!!!!!“, stellte sich bald als voll die Zeitersparnis heraus: Ich muss meine Socken nicht mehr sortieren!

Warte… ich hab mich vertütelt… wo war ich? Ach ja… Mach aus einer lästigen Aufgabe ein kleines Spiel. Wie viele Dinge kannst du wegräumen, bevor dein Tee kalt ist? Wie viele Unkraut, schaffst du während Hotel California?

Und falls dein Kartoffelklaus jetzt ruft: „Das ist doch albern!“, dann kannst du ihm ganz freundlich sagen: „Ja, mein Lieber. Und genau deshalb machen wir das jetzt.“

Denn weißt du, was ich glaube?

Ein guter Tag muss nicht perfekt sein. Es muss nicht alles glattlaufen. Nicht jeder Plan muss aufgehen. Aber vielleicht darf ein Tag trotzdem fluffig sein.

Wir dürfen uns das Leben an den Stellen ein bisschen leichter machen, an denen wir es selbst in der Hand haben. Nicht, indem wir vor allem Unangenehmen weglaufen. Sondern indem wir lernen, auch mitten im ganz normalen Alltagsgedöns kleine Inseln von Freude zu entdecken.

Und vielleicht ist genau das eine Form von Freiheit: Nicht darauf angewiesen zu sein, dass alles schön ist, um selbst ein bisschen Freude empfinden zu können.

Also. Wenn heute etwas auf dich wartet, auf das du überhaupt keine Lust hast, dann musst du dich nicht gleich in eine motivierte Superheldin verwandeln. Fang einfach an. Und frag dich unterwegs, wie du ein bisschen Spaß hineinbringen kannst.

Vielleicht wird daraus keine rauschende Party. Aber bestimmt ein kleines Schmunzeln.

Manchmal reicht genau das, damit sich ein Tag ein bisschen anders anfühlt.

Und wenn du heute beim Abwaschen plötzlich mit dem Popöchen wackelst, dann denk an mich. Ich bin in Gedanken dabei und feuere dich an!!!

Bis zum nächsten Mal.

Ich drück dich,
Deine Jeanine

Ein bisle Spaß muss sein?

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Und dann geniiiiiiieße sie!!!

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