2 Wandschränke
Brief 26
Es rödelt und rödelt und rödelt?
Ab und an geht mir das so. Vor allem manchmal nachts. Oder beim Meditieren.
Sprich, in Momenten, in denen ich zur Ruhe kommen will. Da oben ist aber nix von Ruhe zu spüren.
Vielleicht steckst du ja auch manchmal in dieser Misere und deshalb geb ich dir heut einen sehr persönlichen Versuchs-Ausprobier-Test zum Nachmachen. Das hab ich wahrlich noch nie jemandem erzählt, denn es klingt komplett volle Kanne dümmlich. Dafür muss ich ausnahmsweise mal etwas länger ausholen. Wie fang ich an?
Am besten, ich komm gleich auf den Punkt:
Ich hab zwei Wandschränke im Kopf.
Seit ein paar Jahren. Irgendwann bin ich auf die Idee gekommen und es funktioniert mit ein wenig Training so gut, dass ich dir jetzt mal verraten will, was ich am liebsten mach, wenn ich merk, ich komm da oben nicht zur Ruhe.
Du brauchst allerdings ein paar Voraussetzungen:
Du musst wissen, dass du denkst.
Du musst merken, dass du denkst.
Du musst wollen, dass du nicht denkst.
Oder wenigstens nicht tausend Sachen auf einmal. Vor allem beim Einschlafen ist das hilfreich, nicht wahr?
Also… räusper… räusper… Trommelwirbel…
Gehen wir davon aus, dass du willst, dass du nicht oder halt weniger denkst und du MERKST, dass du gerade denkst… wahrscheinlich denkst du dann grad sowas wie: „Huch, ich wollte ja gar nicht an Tante Hildegard und ihren Blumenkohl denken.“
Man denkt immer! Aber wenn man denkt, dass man gerade NICHT an Tante Hildegard denken will, dann tut sich im Gehirn eine Art kleine Lichtung auf. Wie in einem Wald. Vorher lief man herum und überall waren Bäume. Bäume, Bäume, Bäume. Man ist von jedem Baum abgelenkt. Und denkt immer weiter… an irgendwelche Bäume.
Doch ab und an (ich gebe zu, das braucht Training, aber es ist machbar!!!) kommt man im eigenen Hirn auf diese Lichtung und denkt, dass man ja an diesen bestimmten Baum gar nicht denken wollte. Das Gehirn sucht in dem Moment aber leider sofort nach neuen Bäumen!!! Voll verrückt. Es will halt denken, das lustige Oberstübchen.
Wenn ich diese Millisekunde bemerke, dann grätsch ich volle Kanne rein. Und nehme meine beiden schönen Wandschränke. Auf der Lichtung ist ein kleiner freundlicher Pfad und am Ende stehen die Schränke. Ich beschreib sie dir nicht, denn ich will dich bei deinen Schränken nicht beeinflussen. Lass sie aussehen, wie du willst. Es sind deine. Aber guck sie dir ruhig genau an und fokussier dich immer mal auf deine Schränke, denn dann fällt es deinem Gehirn leichter, sich in diesem kleinen Minimoment à la „Ich will nicht an diesen Baum denken!“ an die Schränke zu erinnern.
So. Du bist also auf der Lichtung und weißt, wie deine Schränke aussehen. Einer ist rechts. Einer steht links. Beide haben Doppeltüren. Einen der Schränke deklarierst du als „Erinnerungsschrank“. Bei mir ist das der Linke. Den anderen erklärst du als „magischen Vernichtungsexplosionsschredderschrank“. Das ist für mich der Rechte.
Wenn du bei den Schränken bist, dann schwirren die letzten Gedanken noch in dir herum. Ich erklär das hier alles sehr lang und breit, aber das eigentliche Geschehen im Gehirn läuft ja nur in einem utopisch kurzen Momentchen ab.
Und hier kommt deine Entscheidung. War der letzte Gedanke einer, den du dir merken willst? War der wichtig? Vergisst du sonst den Backofen auszumachen? Eine geniale Idee zur Rettung der Nashörner? Nimm den Erinnerungsschrank und öffne die Türen. Du siehst ganz viele Schubladen. Such dir eine aus. Pack die Nashörner oder den Backofen rein. Mach die Schublade zu. Beschrifte sie mit Nashorn oder Backofen und mach die Doppeltüren wieder zu.
Es ist unglaublich, wie ich mir damit Dinge merken kann… sie ploppen am nächsten Tag einfach wieder auf! Ich bin gespannt, ob das für dich auch funktioniert!!! Lass es mich gerne wissen…
Doch nun zu den Palumpelgedanken, die die Welt nicht braucht. Ehrlich gesagt, sind das bei mir die meisten. Gerümpel, Gezeter, Gemecker, Gewunder… da nehm ich den rechten Schrank. Ich öffne die Doppeltüren. Es gibt nur EINE Schublade. Ich pack den Kauderwelsch da rein. Ich pfeffer ihn rein. Ich schleuder ihn rein!!!! Dann schmeiß ich die Schublade mit einer angebrachten Menge an Karacho zu!!! Und dann macht das, was ich reingepackt hab, einmal laut PUFF. Ein paar Funken sprühen aus den Ritzen der Schublade. Natürlich bunt. Wie bei einem kleinen Feuerwerk.
Ich mach SOFORT die Doppeltüren zu.
Und setz mich mit dem Rücken zu den Schränken auf die Wiese. Dort genieß ich die Ruhe.
Bis der nächste Käsequark kommt… dann steh ich in der Millisekunde auf, in der ich merk, dass ich plötzlich im Wald die Bäume inspiziere und geh wieder auf die Lichtung… und der Zauber geht von vorne los.
Keine Ahnung, ob das für dich funktioniert. Für mich tut es das. Such dir ein Möbelstück deines Vertrauens aus. Müssen ja keine Wandschränke sein. Waschmaschinen oder Betonmischer funktionieren sicher genauso gut. Hauptsache, du hast zwei davon. Auf deiner schönen Lichtung.
Du wirst merken, wenn du dich für ein paar Wochen auf dieses Theater einlässt, dass du immer mehr Zeit auf der Lichtung mit den Schränken im Rücken verbringst. Diese Lichtung ist sehr entspannend. Meist mach ich da ein wenig ohhhmmm-mäßigen Fokus auf meinen Atem, auf das Jetzt, auf alles, was mich zur Ruhe bringt und wo das Gehirn genug zu tun hat, damit es mir nicht gleich wieder herumdödelt und im Wald spazieren geht…
Ich wünsch dir jedenfalls, dass diese Technik deine innere Ruhe verlängert und deine Phasen des komplett bei dir sein, dir wohlig munden…
Bis zum nächsten Mal.
Ich drück dich,
Deine Jeanine
Du stehst im Wald und siehst zu viele Bäume?
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Ab auf deine Lichtung..
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Sortier die Bäume in die Wandschänke!
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