Ein kleines SO

Brief 30

Hast du schon mal darauf geachtet, wie du einen Raum verlässt?

Nicht im großen Sinne. Nicht mit dramatischem Abgang.
Sondern ganz schlicht: Küche. Büro. Wohnzimmer. Bad.

Ich hab irgendwann angefangen, einen kleinen Grundsatz zu leben:
Ich verlasse einen Raum so, dass ich ihn beim nächsten Betreten wieder freundlich vorfinde.

Nicht geschniegelt.
Echt jetzt nicht „geschniegelt“ geschniegelt.
Nicht irgendwie klinisch.
Nur…sagen wir mal: für mich bereit.

Früher hab ich gedacht, Ordnung sei eine Charakterfrage. Oder eine Stilfrage. Oder etwas für Menschen mit beschrifteten Gewürzregalen. Aber inzwischen sehe ich es anders: Es ist eine Energiefrage.

Wenn ich in unserem Kuschelzuhause in einen Raum komme und erst mal Tassen, Zettel, Kabel und halbfertige Gedanken wegräumen muss, bevor ich anfangen kann, kostet das jedes Mal ein kleines Stück Motivation. Es ist, als würde ich mit angezogener Handbremse starten. Das Gleiche gilt für unser Tourleben in Klopsi.

Wenn ich aber reinkomme und mein Tisch ist frei, die Fläche klar, die Dinge an ihrem Platz, dann ist da so etwas wie ein inneres Gefühl von: „Coole Kiste. Voll dufte.“ Ich kann sofort beginnen.

Es gibt in der Psychologie den Begriff der „kognitiven Last“. Je mehr visuelle Unordnung uns umgibt, desto mehr muss unser Gehirn unbewusst sortieren. Das kostet Energie. Studien zeigen sogar, dass Menschen in aufgeräumten Umgebungen fokussierter arbeiten und schneller Entscheidungen treffen. Nicht, weil sie bessere Menschen sind. Sondern weil weniger Reize um Aufmerksamkeit kämpfen.

Irgendwo hab ich vor Jahren davon gelesen und es einfach mal ausprobiert:
Wenn ich etwas in einem Raum abgeschlossen habe, räume ich kurz auf. Nicht perfekt. Nur so, dass der Raum wieder neutral ist.

Das dauert oft keine zwei Minuten.
Tasse in die Küche.
Papier in den richtigen Stapel.
Stift zurück an seinen Platz.
Kissen einmal aufgeschüttelt.

Und dann gehe ich.

Was passiert?
Beim nächsten Betreten beginne ich nicht mit „Oh je…“, sondern mit „So.“

Und dieses „So.“ ist Gold wert.

Es ist ein kleines Gefühl von Selbstwirksamkeit. Von Respekt gegenüber dem eigenen Morgen-Ich. Ich bereite meinem zukünftigen Selbst eine freundliche Umgebung vor.

Nicht pedantisch.
Nicht zwanghaft.
Sondern liebevoll.

Vielleicht magst du das heute einfach mal ausprobieren:
Wenn du eine Tätigkeit abschließt – egal ob Kochen, Arbeiten, Basteln oder auch einfach nur berechtigtes Rumgammeln – nimm dir einen kurzen Moment und bring den Raum in seinen Grundzustand zurück.

Nicht wie in einem Möbelkatalog.
Nur so, dass du dich beim nächsten Mal nicht selbst sabotierst.

Es ist erstaunlich, wie sehr so eine kleine Gewohnheit das Leben leichter macht. Man startet klarer. Man denkt freier. Man fühlt sich sogar ein bisschen erwachsener.

Und vielleicht ist das die eigentliche Magie:
Du kommst nicht jedes Mal neu in dein Chaos.
Du kommst in deine eigene Ordnung zurück.

Ich wünsch dir heute ein paar kleine „So.“-Momente.
Und Räume, die dich freundlich begrüßen.

Bis zum nächsten Mal.

Ich drück dich,
Deine Jeanine

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Mach dir den Anfang leicht:

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Verlass einen Raum so, dass er dich mag, wenn du zurück kommst.

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