Gönn dir eine Nacht Respekt

Brief 23

Ist das vielleicht ein bisschen zu groß?

Manchmal ist das, was ich mir vorgenommen hab, scheinbar eine Nummer zu riesig für mich. Ein Projekt, ein Gespräch, ein Schritt, der wichtig wäre… irgendwas, das im ersten Moment wie ein Berg erscheint und wo die Besteigung Mut braucht. Doch statt Mut meldet sich erst mal dieses kleine Ziehen im Bauch. Wenn ich das über Tage vor sich hinschmoren lasse, dann entwickelt sich das Ziehen auch gerne mal zum Blubbern.

Zum Beispiel bei unseren Oliven auf der Finca hier. Ab diesem Jahr haben wir uns vorgenommen, die hundert Bäume, die bis jetzt von der Nachbarin gepflegt wurden, unter unsere eigene Obacht zu nehmen. Und auch wenn ich jetzt seit fünf Jahren diese vielen Bäume genau vor der Nase hatte und verfolgt hab, wie die Oliven gehandhabt wurden, hab ich tierisch Muffensausen gekriegt, als der Trommler und ich uns entschieden haben: Wir stemmen das selber!!!

Bestimmt hast auch du irgendein Thema bei dem du irgendwo genau diese Grenze zwischen „Ich trau mich nicht“ und „Ich mache es trotzdem“ spürst. Was ich bei akutem Muffensausen empfehlen kann?

Ich gönn mir eine Nacht Respekt.

Nicht eine Woche Drama, nicht drei Wochen Aufschieberitis, nicht ein halbes Leben lang „Ich wollte ja eigentlich…“.


Nur eine Nacht.
Eine einzige Nacht voller Bammel.
Und am nächsten Morgen geht’s los.

Warum das funktioniert?
Weil unser Gehirn nachts eine richtig gute Arbeit macht, wenn es darum geht, Emotionen und Gedanken zu sortieren.

Forscher der University of California in Berkeley, allen voran ein gewisser Matthew Walker mit seinem Team, haben schon 2007 gezeigt, dass unser emotionales Zentrum im Gehirn (die Amygdala) nach einer Nacht Schlaf um rund 60 % weniger heftig reagiert als ohne Schlaf. Mit anderen Worten: Die Panik schrumpft über Nacht auf Normalstatus. Das Gehirn dämpft Überreaktionen, sortiert Gefühle und bringt gleichzeitig den präfrontalen Kortex wieder in Stellung. Also den Teil, der logisch denkt, plant und Lösungen findet.

Die Nacht wirkt wie ein stiller, kluger Freund, der sagt:
„Ich seh schon, du hast Schiss. Ist okay. Schlaf drüber. Morgen machen wir’s.“

Und das Verrückte ist: Es funktioniert!

Ich mach das so:
Wenn ich am Abend merke, dass ich mich vor irgendeinem Schritt drücke – wegen Größe, Wichtigkeit oder „Ich schaff das alles nicht“-Gedanken – dann sag ich zu mir:
„Sodele, Jeanine. Jetzt darfst du ein Schlumi sein. Eine Nacht lang. Morgen früh geht’s an die Lösung.“

Und dann mach ich gleich am nächsten Morgen wirklich den ersten Schritt.
Nicht den ganzen Weg.
Nur die erste, kleinste, durchschaubare Mini-Bewegung in Richtung Lösung.

Eine Recherche.
Eine Mail.
Eine Liste.
Ein Termin gesetzt.
Ein Satz geschrieben.
Ein Dokument geöffnet.
Egal was, Hauptsache beginnen.

Das Schöne daran ist: Man trainiert so das eigene Selbstvertrauen. Denn jedes Mal, wenn man trotz Angst den nächsten Morgen für sich nutzt, lernt das Gehirn:

„Aha. Wir haben Angst. Ja. Aber wir packen das. Und wir handeln.“

Neurowissenschaftlich gesehen verstärkt das die Verbindung zwischen präfrontalem Kortex und Amygdala – also zwischen Vernunft und Emotion. Du wirst handlungsfähiger, klarer, mutiger. Gönn dir also ruhig deine Nacht Respekt. Mach die Angst nicht zum Feind. Sag ihr einfach: „Okay, du hast deinen Moment. Aber morgen geh ich los.“

Und dann gehst du. Mit diesem berühmten ersten Schritt.

Ich schick dir deshalb heute ein „Morgen beginn ich“.

Und dann freu ich mich für dich, wenn du morgen der Mensch bist, der losgeht!!!!

 

Bis zum nächsten Mal.

Ich drück dich,

Deine Jeanine

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Gönn dir eine Nacht Respekt.

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Und am Morgen machst du den ersten Schritt Richtung Lösung.

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